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Erstes Gewandhaus

Leipziger Notenspur

Erstes Gewandhaus
Neumarkt 9-19
04275 Leipzig

Leipziger Notenspur, Station 21

Mo.-Fr. 10-18 Uhr
Sa. 10 14 Uhr

Das alte Leipziger Gewandhaus wurde im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts als zweiflügliges Gebäude an Gewandgäßchen und Universitätsstraße errichtet. Es war Kaufhalle der Tuchmacher und zugleich Zeughaus. Denn im Erdgeschoss des Flügels an der Universitätsstraße wurden die stadteigenen Waffen und Rüstungen aufbewahrt.
Im Zeughausflügel war ab 1711 auch die Stadtbibliothek untergebracht, bis sie ein halbes Jahrhundert später in den eigens für sie neu erbauten Flügel am Gewandgäßchen umzog. Im leerstehenden ehemaligen Bibliotheksgeschoss ließ die Stadt den ersten Leipziger Konzertsaal errichten. Im November 1781 wurde der Saal eröffnet, und die 1743 gegründeten Leipziger Abonnementkonzerte fanden hier nun ihre Fortsetzung. Bald hießen sie "Gewandhauskonzerte", und das Orchester, das in ihnen spielte, bekam gleichermaßen den Namen "Gewandhausorchester".
Ganz aus Holz, war der Konzertsaal in das zweite Ober- und das Dachgeschoss des Zeughausflügels nahezu wie eine Geige in einen Geigenkasten hineingesetzt, so dass er als ein riesiger Resonanzkörper selbst fast ein Musikinstrument geworden war. 500 Zuhörer fanden in ihm Platz, erlebten Mozarts einziges Leipziger Gastspiel (1789) oder Clara Wiecks ersten öffentlichen Auftritt (1828) und hörten die Uraufführungen vieler Stücke, die heute in aller Welt berühmt sind, beispielsweise Beethovens Tripel- und sein fünftes Klavierkonzert, Schuberts große C-Dur-Sinfonie, Mendelssohns "Schottische" und sein Violinkonzert, Schumanns "Frühlingssinfonie", Wagners "Meistersinger"-Vorspiel oder Brahms Violinkonzert. Am Dirigentenpult standen oftmals die Komponisten selber, ansonsten die Gewandhauskapellmeister von Johann Adam Hiller über Felix Mendelssohn Bartholdy bis hin zu Carl Reinecke.
Die Kapazität des Saales reichte auch nach mehrfachen Umbauten nicht mehr, die Kartenwünsche des Publikums zu befriedigen. So begannen um 1865 Überlegungen zum Bau eines neuen Konzerthauses. Dabei dachte die Gewandhausdirektion an einen Platz in bester "Citylage". Die Stadtregierung aber hatte anderes im Sinn: Ein Konzerthausbau am Stadtrand könnte die Initialzündung für ein neues Stadtviertel sein. Und es geschah: Das in zweieinhalb Jahren erbaute und im Dezember 1884 eröffnete Neue Gewandhaus - das erste Gebäude des neuen Stadtteils - beflügelte die Entwicklung des entstehenden Leipziger Musikviertels ungemein.
Dieses Neue Gewandhaus im Musikviertel, heute als das zweite Gewandhaus bezeichnet, wurde ein Opfer der Bomben des Zweiten Weltkriegs. Die Gewandhauskonzerte fanden von da an in der Kongresshalle am Zoo statt, bis sie gemeinsam mit dem Gewandhausorchester 1981 in das abermals Neue Gewandhaus (das dritte Gewandhaus) am heutigen Augustusplatz einziehen konnten (siehe Notenspur-Station 1).
Das erste Gewandhaus übrigens wurde 1894 abgebrochen und an seiner Statt ein neues Messehaus namens "Städtisches Kaufhaus" erbaut. Mit dem neuartigen Prinzip des "Zwangsrundgangs" - der Besucher kam nur wieder heraus, nachdem er die gesamte Ausstellung durchlaufen hatte - wurde es zum Motor der neuen Leipziger Mustermesse. So ist an diesem Platz nicht nur herausragende Musik-, sondern auch bedeutende Messegeschichte geschrieben worden.

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Autor: Claudius Böhm

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